Der Weg in eine andere Welt…

Der Weg in eine andere Welt…

„Deine Spur führt in unser Herz.“

Ihr wisst, ich scheue mich nicht davor über sehr persönliche und intime Themen zu schreiben. Doch dieser Blogartikel fällt mir wirklich nicht leicht, und dennoch ist es mir ein großes Anliegen aus meinem Herzen und meiner Seele das alles herauszuschreiben.

Dieses Jahr stellt uns vor viele Herausforderungen. Und dennoch wussten wir wohl kaum, was uns wirklich dieses Jahr erwarten würde.

Abschied.

Ich weiß es ist ein schweres, weniger erheiterndes Thema und ich habe volles Verständnis, wenn man sich der Thematik nicht nähern möchte.

Wir mussten Abschied nehmen.

Abschied von einem fürsorglichen und liebenden Ehemann und Papa…

… einem liebenswerten und hilfsbereiten Schwiegerpapa…

und einem loyalen und zuverlässigen Freund…

Für uns brachen Ende August drei Wochen an, die uns alle in allen Facetten berührt, gefordert und bewegt haben. In einer Art und Weise, wie es nur sehr schwer zu beschreiben ist. Ich versuche es trotzdem…

„Trauern ist liebevolles Erinnern.“

Mein Papa bekam vor 14 Jahren eine Krebsdiagnose. Ein Schock und dennoch in der schlechten Nachricht die gute Nachricht, dass diese Krebsart sehr langsam wächst und gut in Zaum zu halten ist. 14 Jahre voll Hoffnung, Höhen und Tiefen, Angst und Sorgen und am Ende blieb immer wieder die Hoffnung. 14 gute Jahre, 14 Jahre in denen so viel Schönes geschehen ist, 14 Jahre voller Liebe. Er konnte mit meiner Mama noch ihr 40 jähriges Ehejubiläum feiern. Er konnte seine beiden Mädels zum Traualtar führen, was für ein Geschenk, was für eine wundervolle und unvergessene Erinnerung an diese Tage.

Und dennoch kam Ende August dieses Jahres die unausweichliche Situation, dass mein Papa ins Krankenhaus kam und die Ärztin uns an einem Dienstagnachmittag mitteilte, dass es keinerlei Behandlungsmöglichkeiten oder Aussicht auf Besserung mehr gibt. In welches seelische Tief und welche dunkle Panik man in so einem Moment fällt muss ich denke ich nicht erklären. Ab diesem Tag hieß es den Weg, die verbleibende Zeit, jedem noch so kleinen Moment so viel Leben und Liebe zu geben wie man nur irgendwie kann… und dennoch weißt Du ganz genau, die Zeit wird niemals reichen, weil es nun mal immer zu früh ist.

Mein Papa war ein Mensch, der immer sehr offen mit seiner Erkrankung umging, er konnte darüber gut sprechen und er hat seine Krankheit in einer Weise angenommen und das Beste aus allem gemacht, für die ich ihn nur zutiefst bewundern kann. Er war ein Kämpfer, so konnte ihn nicht einmal der Herzstillstand 2018 aus dem Leben reißen. Und dennoch, auch als er selbst erfuhr, dass er sich auf seine letzte Reise machen wird, war er so stark, so friedvoll in seiner Mitte und er hat uns in dieser Zeit noch so viel Kraft und Zuversicht mit auf den Weg gegeben…

„Du warst jemand, der immer mit helfendem Rat zur Seite stand, zu jeder Tages- und Nachtzeit war auf Dich Verlass. Ich empfinde es immer noch als ein großes Geschenk, einen Papa wie Dich an meiner Seite gehabt zu haben. Du hast uns eine Kindheit und Jugend geschenkt, die uns rundherum glücklich sein ließ, ein Haus in dem wir stets behütet aufwachsen durften und auch mit unseren Partnern an unserer Seite warst Du immer für uns alle da. Du stelltest Deine Belange für Deine Frau, Deine Kinder und auch Deine Schwiegerkinder immer hinten an und ich konnte in jeder Lebensphase die Liebe spüren die uns durch Dich geschenkt wurde. Mit Dir gab es immer etwas zu Lachen und wenn ich an Deine Liebe zu Toby unserem Fellkind, Deinem „Stopsel“ denke, laufen wieder die Tränen… „

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Gott sei Dank gelten auf den Palliativstationen andere Besuchsregeln und so konnten wir Ihn jeden Tag dort für mehrere Stunden besuchen. Durch einen Tipp einer sehr lieben Krankenpflegerin durfte ihn sogar Toby nochmal im Zimmer besuchen. Dieser Besuch war für Beide denke ich sehr wichtig. Zu sehen und zu spüren wie ein geliebter Mensch Tag für Tag schwächer wird und das Lebenslicht in Ihm ganz langsam weniger wird, gibt Dir ein Gefühl von so viel Traurigkeit und Verzweiflung. Man möchte das Unaufhaltbare aufhalten, die Schwerkraft umkehren und am liebsten den Mond zur Erde holen und dennoch bleibt es was es ist – unaufhaltbar. Jeden Tag und jede Stunde, die wir bei Ihm waren versuchten wir zu nutzen, zu sprechen oder auch gemeinsam zu schweigen, einfach gemeinsam „da“ zu sein.

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Der Weg vom Eingang des Krankenhauses auf diese Station war jeden Tag wieder schwer und ängstigend, und doch wurden wir jeden Tag dort auf der Palliativstation mit so viel Wärme, Herzlichkeit und Fürsorge empfangen, die uns die Zeit dort so viel besser und durchhaltbarer gemacht hat. Dort in diesen Räumen ist alles anders, dort arbeiten Menschen die nicht ihren Beruf verrichten, dort arbeiten Menschen die dort ihrer Berufung nachgehen, so haben wir es zumindest empfunden. Das friedvolle Ambiente, das Annehmen dessen was kommt und die herzlichen, liebevollen und hilfsbereiten Menschen auf dieser Station, reichten uns die Hände und schlugen eine Brücke für uns, sodass wir uns gemeinsam trauen durften, diesen letzten Weg in Liebe und Frieden mit unserem Papa zu gehen. Wir durften dort lernen, dass in Ordnung ist was kommt und dass hier Menschen in Würde, Frieden und Ruhe in die andere Welt gehen dürfen. Man achtet auf viele Zeichen, man sieht sehr genau hin und an manchen Tagen war es für uns fast spürbar, dass Papa zu einem Teil schon wo anders ist, dass der Weg begonnen hat… Und für viele mag das skurril klingen, aber es war in keiner Weise beängstigend, im Gegenteil, es war zu spüren, dass etwas im Gange ist, dass etwas anders ist, aber „gut“ anders, das etwas kommen wird…

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Am letzten Tag, am 8. September 2020 kamen wir in sein Zimmer und meine Mama wusste, dass der Zeitpunkt für eine Krankensalbung gekommen war. So kam der Pfarrer und gestaltete eine unglaublich liebevolle Zeremonie für Papa und auch für uns. Wir konnten uns in diesem Rahmen nochmal verabschieden und ihm sagen, dass es für uns okay ist… Und es ist gerade so schmerzhaft darüber zu schreiben und mich daran zurückzuerinnern.

An diesem Tag schloss sich ein Kreis… und zwei Stunden später ging mein Papa ganz friedlich in eine andere Welt hinüber.

„Wenn die Kraft zu Ende geht, ist Erlösung Gnade…“

„Ich bin zutiefst dankbar, dass uns diese Zeit mit Dir geschenkt wurde. Dass wir diesen Weg mit Dir in vollem Bewusstsein, in vollem Schmerz und in gänzlicher Dankbarkeit bis zuletzt an Deiner Seite gehen durften. Du sagtest immer „Hadere nicht…“ Das versuchen wir, wir versuchen nicht zu hadern, warum so früh? Wir versuchen in Dankbarkeit auf all die schönen und kostbaren Jahre zurückzublicken. All die Erinnerungen und Momente die uns mit Dir geschenkt wurden und die auf ewig in unseren Herzen sein werden…“

„Und wenn ein Sonnenstrahl durch die Wolken bricht, weiß ich ganz genau, dass Du das bist…“ (Jan und Jascha)

oder ein Regenbogen am Himmel erscheint, dann kann ich manchmal förmlich spüren, dass Er das gerade ist und hier irgendwo in meiner Nähe ist.

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Ich möchte meinem Mann „Danke“ sagen, Danke, dass Du Tag und Nacht an meiner Seite bist und warst. Danke, dass wir uns gegenseitig so viel Liebe und Halt schenken und Danke, dass auch Du den Weg mit Deinem Schwiegerpapa bis zuletzt gegangen bist. Für alle Deine lieben Worte und Taten und Dein bei mir sein in dieser traurigen Zeit und dass Du mich liebst so wie ich bin!

Und ich möchte unseren Dank der Palliativstation der Barmherzigen Brüder in Regensburg aussprechen. So beängstigend der Gedanke für uns vorher an eine Palliativstation war, so wurden wir in diesen 2 Wochen eines Besseren belehrt. Wir haben dort Menschen getroffen, Pfleger, Geistliche, Praktikanten, die uns jeden neuen Tag mit so viel Optimismus, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft die Türen geöffnet haben. Man muss einfach einmal festhalten, dass es kein Job wie jeder andere ist, dort zu arbeiten. Ihr ermöglicht Menschen einen letzten Lebensweg in Begleitung ihrer Familien, den ich gut und gerne als unendlich liebevoll und friedlich bezeichnen möchte. Ihr nehmt ein Stück weit die Angst vor dem großen dunklen Kapitel, dem Tod, ihr habt eine Leichtigkeit mit den Situationen umzugehen und ein Feingefühl, sowohl für Eure Patienten als auch für die Angehörigen. Ich konnte nur staunen, wenn ich mir angesehen habe was Ihr tagtäglich leistet, und mit welcher Freude und Hingabe ihr es tut. Ihr habt meinen allergrößten Respekt und ich werde Euch für immer dankbar sein, in welcher Form wir in Eurer Obhut Abschied nehmen durften. So schlimm es ist und war, so wenig möchte ich diese Erfahrung und diesen Weg missen…

Von Herzen Danke!

„Ja was soll ich noch sagen, es bleibt eine Lücke, die mit nichts zu füllen ist… Es bleibt das schreckliche Vermissen, der Schmerz im Herzen wenn ich mir Bilder von Dir ansehe, Dich immerzu zu sehen und doch nicht zu sehen, die Sehnsucht Dich in den Arm zu nehmen, Deine Stimme zu hören und dir wieder und wieder zu sagen wie gern ich Dich habe… Ich sage es Dir ganz oft und ich weiß auch, du hörst es…“

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„Du bist nicht mehr dort, wo du warst. Aber du bist überall, wo wir sind.“ Victor Hugo

„Mir fehlen deine Worte Dein gut gemeinter Rat, Deine Hand auf meiner Schulter die mich festgehalten hat. Dein Blick durch meine Schale, hast gespürt, was mich bewegt. Ich konnt mich nie verlaufen Du kanntest meinen Weg“

„Ich wünsch Dir gute Reise wohin es Dich auch trägt, die Welt wird etwas leiser der Wind hört auf zu wehen. Ich seh zu Dir nach oben und ruf, so laut ich kann Du weißt, Du wirst mir fehlen mein ganzes Leben lang. Ich wünsch Dir gute Reise ich hoffe, Du kommst an…“

(Jan und Jascha)

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In diesem Sinne, Ihr Lieben…

Danke fürs Lesen

Eure Steffi

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